Der erste Chorleiter des Paderborner Motettenchores, Professor Paul Kötters, äußerte gelegentlich in seinen Musikseminaren: „Musik ist eine Frage der Intelligenz.“ Gern mag man einem solchen Motto folgen! Das meint aber auch, dass Chöre ein Zusammenschluss von nicht nur intelligenten, sondern vor allem von hoch musikalischen Leuten sind. In solchen Gemeinschaften sind Aufführungen großer Musikwerke möglich. Gutes Ensemble-Musizieren setzt gut harmonierende Gruppen voraus, die ein hohes gruppendynamisches und musikalisches Gespür dafür haben, wie Musik klingen muss. Solch ein Gespür entwickelt und optimiert sich in einem Chor über lange Zeiträume. Viele bewusste wie auch unbewusste Prozesse in einer gewachsenen Chorgemeinschaft unterliegen einer steten Entwicklung. Chorleitung bedeutet in diesem Kontext somit wesentlich mehr als nur bloßes Dirigieren. In der Summe vieler Einzelprozesse entwickelt sich beiläufig auch das, was man gern als „Chorgeist“ bezeichnet. Dieser Begriff umfasst die Zielsetzung eines Chores, seine spezifische Klangcharakteristik, seine Werkorientierung, seine Referenzen nach außen, seine internen Kommunikationsprozesse, letztlich seine Identität, in der sich die Mitglieder wiederfinden.

Um diesen viel-zitierten Chorgeist zu stärken und zu intensivieren, stehen, neben unterschiedlichen Veranstaltungen, jährlich auch ein- und mehrtägige Chorfahrten an. So konnte der Motettenchor in den über fünfzig Jahren seines Bestehens zahlreiche Fahrten u.a. nach Köln, Aachen, Bad Hersfeld, Berlin, Bratislava, Budapest, Dresden, Erfurt, Essen, Fulda, Limburg, Magdeburg, Prag, Salzburg, Stendal, Wien usw. unternehmen. Im Oktober 2017 steht erneut eine mehrtägige Chorfahrt an, diesmal ins englische Romsey, die natürlich auch wieder mit einem Konzertauftritt verbunden ist, gemeinsam mit einem dort ansässigen, renommierten Konzertchor.
Die letzte, mehrtägige Chorfahrt im Herbst 2015 führte uns über Aachen nach Maastricht sowie mit einem Abstecher nach Lüttich und auf der Rückfahrt zum Kloster Knechtsteden nahe Dormagen.
Auf unserer Hinreise am 8.10.2015 stand nach vielen Jahren wieder einmal ein Aufenthalt in der schönen Kaiserstadt Aachen auf dem Programm. Aachen und Paderborn haben bekanntlich historische Verbindungen über Kaiser Karl d.Gr., der gern in beiden Städten residierte. Vermutlich liebte Karl d.Gr. diese Stadt nicht nur wegen der günstigen geografischen Lage, sondern auch wegen zahlreicher Heilquellen, für die Aachen schon damals berühmt war. Wie Paderborn hat auch Aachen eine imposante Domkirche mit vielfältiger Tradition zu bieten, deren Besichtigung natürlich ebenso ein Muss im Rahmen einer Stadtführung ist. Und welcher Aachen-Besucher lässt sich schon die original Aachener Printen entgehen?

Der Aachener Dom

Abends trafen wir dann in der wunderschönen belgischen Stadt Maastricht ein. Diese faszinierende Stadt hat ein sympathisches Ambiente, das wir über zwei Tage, natürlich auch an Abenden, lebensfroh genießen konnten. Während einer Schifffahrt auf der Maas zeigte diese Stadt weitere sehenswerte Facetten.
Für einen Tag lernten wir ferner die Metropole Lüttich kennen, die sich weit städtischer präsentierte als das beinah noch idyllisch wirkende Maastricht. Lüttichs moderner Bahnhof bleibt wohl allen als architektonisches Meisterwerk in guter Erinnerung, wie überhaupt in Bahnhofsnähe Vorbereitungen zu umfangreichen Stadtsanierungsmaßnahmen getroffen werden. Man darf gespannt sein!
Unsere Rückfahrt führte uns am Sonntagmorgen zum Kloster Knechtsteden, eine ehemalige Prämonstratenserabtei aus dem frühen 12. Jahrhundert, die sich seit 1896 im Besitz des Spiritanerordens befindet. In der konzertreifen Akustik der eindrucksvollen Klosterkirche konnten wir das sonntägliche Hochamt musikalisch gestalten, u.a. mit dem bekannten „Notre Pere“ von Maurice Duruflé.

Die dortige, von vielen hervorragenden Konzertaufführungen musikalisch verwöhnte Gemeinde zeigte sich über unseren Beitrag erfreut, dankbar und begeistert. Wir kehrten bei schönstem Wetter wieder nach Paderborn zurück, den geistigen „Reisekoffer“ gefüllt mit guten Erinnerungen an gemeinschaftliche Erlebnisse und Unternehmungen, die ein weiteres wesentliches Element unseres Chorgeistes sind.